Pressemitteilung des Netzwerk Plurale Ökonomik
Hayek-Medaille für Veronika Grimm: “Ein Armutszeugnis für die ökonomische Debattenkultur”
Münster/Berlin, 22. Mai 2026 – Das Netzwerk Plurale Ökonomik kritisiert die Annahme der Hayek-Medaille durch die „Wirtschaftsweise“ Prof. Dr. Veronika Grimm im Rahmen der diesjährigen Hayek-Tage in Münster scharf. “Die Auszeichnung einer Regierungsberaterin durch eine Gesellschaft, die zunehmend als Sammelbecken für menschenfeindliche und wissenschaftlich isolierte Positionen fungiert, offenbart den besorgniserregenden Zustand der ökonomischen Disziplin in Deutschland”, so das Netzwerk.
Die Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft, die in diesem Jahr Veronika Grimm ehrt, steht seit Jahren in der Kritik. Aufgrund der Einladung höchst umstrittener Figuren wie Stefan Homburg und der Ehrung des rechtsradikalen argentinischen Präsidenten Javier Milei, hat sich die Hayek-Gesellschaft immer weiter wissenschaftlich diskreditiert.
Wissenschaftliche Beratung im Fahrwasser des Marktradikalismus
„Dass mit Veronika Grimm als prominentes Mitglied des Sachverständigenrates und noch dazu Beraterin im Wirtschaftsministerium eine Auszeichnung einer Organisation annimmt, die zeitgleich eine Bühne für antidemokratische Rhetorik und Marktfundamentalismus bietet, ist ein fatales Signal“, erklärt das Netzwerk Plurale Ökonomik. Die Verbindung zu Akteuren wie Javier Milei, dessen „Kettensägen-Politik“ soziale Sicherungssysteme zertrümmere, oder Stefan Homburg, der durch wissenschaftlich höchst umstrittene Positionen zur Pandemie und Staatsführung auffiel, diskreditiere die seriöse Politikberatung, so das Netzwerk.
Inhaltliche Kritik: Mainstream-Dogmatik statt Pluralität
Inhaltlich kritisiert das Netzwerk vor allem die theoretische Ausrichtung, für die die Preisträgerin stehe. Nach Ansicht des Vereins repräsentiere Grimm eine ökonomische Lehre, die komplexe globale Krisen in starre Standardmodelle presse. Ihre Positionen – insbesondere zur Schuldenbremse und zur Energiepolitik – würden systemische Risiken und makroökonomische Wechselwirkungen systematisch unterschätzen. Eine solche methodische Verengung verfehle die ökonomische Realität und führe zu einer einseitigen Politikberatung, die alternative Lösungswege bereits im Vorfeld ausblende.
„Die Verleihung der Medaille an Grimm ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer wechselseitigen Bestätigung zwischen Mainstream-Ökonomik und libertärer Ideologie“, so das Netzwerk weiter. „Während die Welt vor komplexen Krisen wie dem Klimawandel und wachsender Ungleichheit steht, flüchten sich Teile der deutschen Ökonomik in die Verteidigung normativer Dogmen des 20. Jahrhunderts.Wir brauchen keine Rückbesinnung auf Hayek’sche Marktutopien, sondern eine Öffnung der Wirtschaftswissenschaften für ökologische, feministische und post-keynesianische Perspektiven.“
Forderung nach einer neuen ökonomischen Lehre
Das Netzwerk Plurale Ökonomik sieht in den Vorgängen rund um die Hayek-Gesellschaft die Bestätigung dafür, dass eine grundlegende Reform der ökonomischen Lehre und Beratung dringender denn je ist. Eine Wissenschaft, die sich in exklusiven Zirkeln selbst feiert und dabei den Kontakt zu gesellschaftlichen Realitäten verliert, verliere ihre Existenzberechtigung als Ratgeberin der Politik, so das Netzwerk.
Über das Netzwerk Plurale Ökonomik: Das Netzwerk Plurale Ökonomik e.V. setzt sich für eine Vielfalt der Theorien und Methoden in der ökonomischen Lehre und Forschung ein. Es verbindet Studierende, Lehrende und Interessierte, die eine kritische Auseinandersetzung mit der herrschenden Volkswirtschaftslehre fordern und sich für eine realitätsnahe, verantwortungsbewusste Wissenschaft engagieren.
Pressekontakt: presse@plurale-oekonomik.de
Hintergrund zum Thema
Die Hayek-Gesellschaft ist seit dem „Homburg-Streit“ und dem daraus resultierenden Austritt moderater Mitglieder (u.a. früherer Wirtschaftsweiser) tief gespalten. Die Verleihung der Medaille an Javier Milei im Jahr 2024 sowie die prominente Rolle von Stefan Homburg auf den Hayek-Tagen 2026 unterstreichen den Kurs der Gesellschaft. Veronika Grimm geriet zuletzt auch wegen möglicher Interessenkonflikte zwischen ihrer Rolle im Sachverständigenrat und Aufsichtsratsmandaten in die Kritik.