Personalwechsel bei den „Wirtschaftsweisen“: Netzwerk Plurale Ökonomik warnt vor Rückfall in dogmatische Enge

Nach der Abberufung von Prof. Ulrike Malmendier fordert das Netzwerk eine grundlegende Modernisierung des Sachverständigenrats, um veraltete ökonomische Lehrmeinungen zu überwinden.

BERLIN, 12. März 2026 – Die Bundesregierung hat mit der Nominierung von Gabriel Felbermayr die Nachfolge für die Spitzenökonomin Ulrike Malmendier im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) eingeleitet. Der Vorgang sorgt nicht nur wegen der kurzen Verweildauer Malmendiers für öffentliche Debatten, sondern auch wegen der deutlichen Spannungen innerhalb des Gremiums. Das Netzwerk Plurale Ökonomik sieht in dieser personellen Weichenstellung eine Richtungsentscheidung für die Zukunft der wirtschaftspolitischen Beratung in Deutschland.

Zwar hatte sich der SVR in den letzten Jahren schrittweise von seiner Rolle als rein neoliberales “Wächtergremium“ wegbewegt und pragmatische Ansätze zugelassen. Dennoch bewertet das Netzwerk die aktuelle Breite des Gremiums als weiterhin unzureichend, um den massiven Transformationsaufgaben der Gegenwart gerecht zu werden.

„SVR darf kein Museum für Theorien des 20. Jahrhunderts sein“

In einer Stellungnahme kritisiert das Netzwerk die strukturelle Einseitigkeit der wirtschaftswissenschaftlichen Expertise in Berlin. Dazu erklärt das Netzwerk Plurale Ökonomik:

„Die mühsamen Fortschritte der letzten Jahre dürfen nicht durch eine Rückkehr zu ordoliberalen Schablonen zunichtegemacht werden. Der SVR ist in seiner jetzigen Form immer noch weit davon entfernt, die notwendige Pluralität abzubilden. Wir beobachten mit Sorge, dass ökonomische Beratung erneut zum Schauplatz parteipolitischer Postenschacherei wird, während die methodische Erneuerung ausbleibt. Deutschland kann es sich nicht leisten, dass seine wichtigsten Berater*innen an Denkschulen festhalten, die auf die drängenden Fragen der Klimakrise und der globalen Ungleichheit keine Antworten haben.“

Forderung nach struktureller Reform

Das Netzwerk Plurale Ökonomik fordert angesichts der Neubesetzung eine grundlegende Anpassung des SVR-Gesetzes. Die ökonomische Beratung müsse sich konsequent an den Realitäten des 21. Jahrhunderts ausrichten.

„Veraltete Lehrmeinungen, die planetare Grenzen und soziale Stabilität als externe Faktoren behandeln, haben in einem modernen Beratungsgremium nichts mehr zu suchen. Wir fordern eine gesetzlich verankerte Pluralität. Nur ein methodisch vielfältiger Rat kann die Politik evidenzbasiert durch die Transformation führen, statt lediglich den Status Quo zu verwalten.“

Das Netzwerk plädiert zudem für ein transparentes Auswahlverfahren, das wissenschaftliche Exzellenz und methodische Vielfalt über parteipolitische Proporz-Erwägungen stellt.

Über das Netzwerk Plurale Ökonomik: Das Netzwerk Plurale Ökonomik e.V. setzt sich für eine Öffnung der Wirtschaftswissenschaften ein. Ziel ist eine Vielfalt der Theorien und Methoden sowie eine stärkere Selbstreflexion der Disziplin, um den komplexen Herausforderungen der modernen Welt gerecht zu werden.

Pressekontakt: presse@plurale-oekonomik.de

Meme: Ein Mann liegt in einem Krankenhausbett und wird von einer Krankenschwester angesprochen. Text: Nurse: Sir... You've been in a coma Since 2008. Me: Wow, I can't wait to see how much the economics textbooks have changed.

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