Bericht der Community-Tagung Herbst 2025
Die Herbst-Community-Tagung des Netzwerks Plurale Ökonomik fand vom 27. bis 30. November in Halle (Saale) statt und brachte rund 60 Teilnehmende zusammen. Unter dem Titel „Militarisierte Märkte, demilitarisierte Zukunft? Zur politischen Ökonomie der Kriegswirtschaft“ widmete sich die Tagung einer hochaktuellen Debatte rund um die zunehmende Militarisierung von Wirtschaft und Politik.
Bereits im Vorfeld bot eine Awareness-Schulung unter der Leitung von Serafina Blaas allen Interessierten die Möglichkeit, sich intensiv mit Awareness-Arbeit auseinanderzusetzen und entsprechende Kompetenzen zu vertiefen. Inhaltlich eröffnet wurde die Tagung mit einem pointierten Vortrag von Prof. Tom Krebs zum Thema „Deutschland entdeckt den Militär-Keynesianismus“. Er verband die aktuelle wirtschaftspolitische Debatte mit grundlegenden strategischen Fragen der Bundesregierung und zeigte eindrücklich auf, warum der eingeschlagene Kurs aus seiner Sicht weder ökonomisch nachhaltig ist noch den gesellschaftlichen Rechtsruck aufhalten kann. Daran anschließend führte Dr. Johanna Sittel die Diskussion mit ihrem Vortrag „Autos, Lithium und Konflikte: Sozial-ökologische Transformation in glokaler Perspektive“ weiter und beleuchtete Transformationskonflikte sowie industriepolitische Strategien im Kontext globaler Wertschöpfungsketten. Den Abschluss des ersten Tages bildete der Abendvortrag von Prof. Stefan Schmalz, der in seiner Analyse der politischen Ökonomie der Aufrüstung historische Diskussionslinien nachzeichnete und aktuelle Entwicklungen aus soziologischer Perspektive einordnete.
Der folgende Vormittag stand im Zeichen von Fiskal- und Geldpolitik. In einem interaktiven Workshop ging Friederike Reimer der Frage „From war finance to green finance to war finance?“ nach, bevor Elsa Egerer in einem anschließenden Workshop untersuchte, was Kriegsfinanzierung über Geld und geldpolitische Entscheidungen in Krisenzeiten offenbart. Gemeinsam diskutierten die Teilnehmenden, wie sich geldpolitische Paradigmen verschieben und welche Relevanz diese Entwicklungen für heutige wirtschaftspolitische Weichenstellungen haben. Am frühen Nachmittag ermöglichte ein kurzer Input von Prof. Clara Mattei, die digital zugeschaltet war, mit anschließender Q&A-Runde einen intensiven Austausch zu Austerität, Rüstungsausgaben und Kriegsprofiten.
Der spätere Nachmittag war der Community-Arbeit gewidmet. Besonders hervorzuheben ist der Auftaktworkshop zu einer geplanten Netzwerk-Kampagne für das Jahr 2026, in dem erste inhaltliche und strategische Grundlagen erarbeitet wurden. Den Abschluss der Tagung bildete ein kritischer Stadtrundgang durch Halle mit Lukas Wanke, der mit zahlreichen politischen und historischen Einordnungen einen interessanten Einblick in die Stadtgeschichte gab.
Insgesamt verdeutlichte die Tagung die Notwendigkeit eines kritisch-reflexiven Verständnisses von Kriegswirtschaft, das über gängige ökonomische Deutungen hinausgeht. Die intensive Auseinandersetzung mit steigenden Militärausgaben und einer auf Aufrüstung ausgerichteten Industriepolitik machte sichtbar, wie stark wirtschaftspolitische Entscheidungen von Machtverhältnissen geprägt sind und wie häufig diese Dimensionen im ökonomischen Mainstream ausgeblendet bleiben. Wir bedanken uns herzlich bei der Lokalgruppe Halle und dem gesamten Organisationsteam für die engagierte und rundum gelungene Ausrichtung der Herbst-Community-Tagung.