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2. pluralistische Ergänzungsveranstaltung zur Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik (Münster 2015)

6.-9. September 2015 - Fürstenberghaus, Universität Münster


> Statement: Rückblick & Ausblick 2016

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> Presse-Echo

> Downloads (Programm, Flyer, Poster, Hintergrund)

> Impressionen

Podiumsdiskussion "Wie plural sollte die Jahrestagung deutschsprachiger ÖkonomInnen künftig sein?"    (v.l.n.r. Frank Beckenbach, Rüdiger Bachmann, Carl Christian von Weizsäcker, Helge Peukert, Gustav Horn, Ralf Ptak)


Statement:

 

#  2. pluralistische Ergänzungsveranstaltung erfolgreich

Das Netzwerk Plurale Ökonomik blickt auf eine gelungene 2. pluralistische Ergänzungsveranstaltung zurück: Über 40 ReferentInnen aus dem heterodoxen Spektrum haben ein deutliches und medienwirksames Zeichen gesetzt für mehr Vielfalt auf der größten deutschsprachigen Ökonomik-Jahrestagung.

 

#  Prominente VfS-Mitglieder befürworten gemeinsame Jahrestagungen

Ein weiterer Erfolg: Prominente VfS-Mitglieder wie Rüdiger Bachmann, Dennis Snower und Carl Christian von Weizsäcker haben öffentlich geäußert, dass sie sich gemeinsame Jahrestagungen von VfS und heterodoxen Vereinigungen vorstellen können.

Denn wie die jährliche amerikanische ASSA-Konferenz zeigt, gehen parallele heterodoxe Sessions weder quantitativ noch qualitativ zulasten des etablierten Mainstream-Programms, sondern stellen eine wichtige Erweiterung des Spektrums dar.

 

#  Prüfstein Jahrestagung 2016 ...

Wir hoffen, dass diese neue Toleranz sich im Vorstand des VfS durchsetzt und für die kommende Jahrestagung auch Taten folgen!

Prüfstein für eine pluralistische Öffnung der größten deutschsprachigen Ökonomik-Jahrestagung bleibt, dass 2016 auch die heterodoxen Vereinigungen ihre Sessions nach eigener Regie am gleichen Ort organisieren können.

 

#  Plurale Konferenz zu "ökonomischer Bildung"

Bereits im November wird sich das Netzwerk Plurale Ökonomik mit weiteren heterodoxen Vereinigungen im Rahmen einer gemeinsamen Konferenz mit der Frage nach einer zeitgemäßen und pluralen ökonomischen Bildung beschäftigen: "Teaching Economics in the 21st Century -The State of Research and Teaching and the Way Forward" (26. bis 29. November, HWR Berlin)

Call for Papers

Ganz besonders dazu eingeladen, ihre Vorstellungen einzubringen, sind die Mitglieder der von Frau Schnitzer angekündigten neuen "Arbeitsgruppe Ökonomische Bildung" des Vereins für Socialpolitik.

 

 




Presse-Echo

Überregionale Presse, Ausschnitte aus (chronologisch):

Wirtschaftswoche, Handelsblatt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Neue Züricher Zeitung, Der Freitag, Neues Deutschland

 

Neues Deutschland (16.09.2015):

Ohne Lehman hätte es auch gekracht - Ökonom Helge Peukert über prozyklische Finanzmärkte, schwache Regulierung und geldpolitische Alternativen

ND: Ihr Netzwerk wirft dem Verein für Socialpolitik, der einflussreichsten Ökonomenvereinigung im deutschen Sprachraum, eine verengte Sicht vor. Er beschränke sich auf nur einen schmalen Mainstream. Was heißt das heruntergebrochen auf Lehman-Pleite und Finanzkrise?

Peukert: Als wir vor zwei, drei Jahren dem Verein für Socialpolitik einen namhaften Referenten empfahlen, um radikalere Finanzmarktreformen vorzustellen, wurde das abgelehnt. Der Vereinist viel zu zahm. Und viele wissenschaftliche Richtungen lässt er überhaupt nicht zu Wort kommen. Dazu gehören die Österreicher, vor allem Postkeynesianer, Marxisten, Sozioökonomenund, und, und."

Volltext hinter Bezahlschranke

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Frankfurter Allgemeine Zeitung (14.09.2015):

Bachmanns Konferenzgeflüster (5): Was heißt hier Mainstream?

Längeres Interview mit Rüdiger Bachmann, dem Nachwuchsbeauftragten des Vereins für Socialpolitik, wobei auch die Podiumsdiskussion breit und kritisch nachgezeichnet wird. Schön wäre natürlich, die FAZ ließe beide Seiten in langen Interviews zu Wort kommen:

"FAZ: Es hat in diesem Jahr wieder eine Konkurrenzveranstaltung zur Tagung gegeben. Das Netzwerk Plurale Ökonomik, das eine angebliche paradigmatische Verengung der Disziplin bemängelt, hatte eingeladen. Und Sie waren auch dabei. Haben Sie die Seiten gewechselt?

Bachmann: Nein! Aber ich war bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Wie plural sollte die Jahrestagung deutschsprachiger ÖkonomInnen künftig sein?“ dabei. Zu dieser Diskussion war ich freundlicherweise von Helge Peukert und Christoph Freydorf vom Netzwerk Plurale Ökonomik eingeladen worden (...)

Ich habe natürlich erst einmal angemerkt, dass, wie gesagt, die VfS Jahrestagung schon sehr plural ist, und zwar sowohl thematisch als auch methodisch. Außerdem hat ja jüngst eine Ökonomenumfrage gezeigt, dass auch wirtschaftspolitisch (...) die sogenannten deutschen Mainstreamökonomen sehr unterschiedliche Ansichten haben, was zugegebenermaßen vielleicht nicht immer für die Ökonomen gelten mag, die sich am lautesten in den Medien äußern. Der Mainstream als Monolith ist also ein Phantasma, und man sollte vielleicht den Begriff des Mainstreams gar nicht mehr verwenden, obwohl ich das natürlich auch in diesem Interview wieder lose tue.

FAZ: Eine Forderung des Netzwerks betrifft die Organisation der Großveranstaltung, man solle sich stärker am amerikanischen Vorbild orientieren. Was verbirgt sich dahinter?

Bachmann: Sicher, man kann Gründe dafür anführen, dass sich einmal im Jahr alle deutschsprachigen Organisationen, die irgendwie „wissenschaftlich“ Ökonomik betreiben, zu einer Großkonferenz treffen, wobei sie jeweils in Eigenregie ihre Konferenzprogramme gestalten. Vorbild hier ist die Tagung der Allied Social Science Associations (ASSA) in den Vereinigten Staaten. Das ist das Modell, das sich die Pluralen wünschen. (...) Ich persönlich mag eigentlich das ASSA-Modell, verstehe aber auch die Gründe für die andere Variante. (...)

FAZ: Mal angenommen, das hier liest ein Student. Muss der nicht ziemlich verwirrt sein, von diesem Streit?

Bachmann: Das kann schon sein. Darum muss der Dialog mit den Studierenden über die Lehre auch gesucht, weitergeführt und ausgebaut werden. Ich denke wir können das von Vereinsseite, und wenn man so will von Mainstreamseite, auch durchaus selbstbewusst tun, aber letztlich kann Lehre nur funktionieren, wenn Lehrende und Studierende an einem Strang ziehen. Zumal nach meinem Eindruck oftmals die im Netzwerk Plurale Ökonomik zu den besseren, mindestens aber zu den interessierteren Studierenden zu gehören scheinen. Ich bin zwar aufgrund einer dummen Überschrift über einem Artikel mal als „Klappehaltenprofessor“ verschrien gewesen, wobei mir nichts ferner liegt, als die Diskussion mit Studierenden zu blockieren. Aber ich kann jetzt schon ankündigen, dass diese Debatte bei der nächsten Vereinstagung verstärkt und vertieft fortgesetzt werden wird."

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Eine Replik von Gustav Horn (auf Facebook):

"Meine Antwort darauf lautet: Selbstverständlich ist der Begriff Mainstream schillernd und variierend. So kann man in den USA durchaus etwas anderes darunter verstehen als in Deutschland. Ich verstehe im Kontext der Tagung des Vereins für Socialpolitik darunter, und dies habe ich in der Diskussion mehrfach erläutert und ausgeführt, die Makroökonomie wie sie in (...) Deutschland an den meisten Universitäten gelehrt wird und in den meisten wirtschaftspolitischen Analysen zum Tragen kommt. (...)

Mein weiterer Vorwurf lautet, dass zahlreiche Veröffentlichungen, die auch Bachman zitiert und die ich um Publikationen zu Mindestlohn und Verteilung ergänzen könnte, in der deutschen Makroökonomie weder rezipiert noch in der Politikberatung angewendet wurden. Wo bleibt da die von Bachmann so gepriesene Offenheit des Mainstreams?
Umgekehrt gilt,dass das IMK sowohl die Tagung des VfS als auch die Ergänzungsveranstung sowohl materiell als auch mit Vorträgen unterstützt hat. Wir leben Pluralität. Wäre schön, wenn andere dies auch täten."

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Handelsblatt (09.09.2015):

Ökonom Dennis Snower: "Emotionen werden vernachlässigt"

Interview mit Dennis Snower, dem diesjährigen Organisator der "heterodoxen" Session des Vereins für Socialpolitik. In Anlehnung an die amerikanische ASSA befürwortet er eine gemeinsame Jahrestagung von Mainstream und Heterodoxen:

 

Handelsblatt: Diese Vorträge sind Teil einer „Pluralen Session“, die sie im Auftrag des VfS-Vereinsvorstands organisiert haben, um die Grenzen des Mainstream zu weiten. Wie weit sollten diese Grenzen nach Ihren Vorstellungen werden? Was sollte alles reinpassen?
Snower: Ernsthafte Ökonomik lässt sich schon von Ansätzen unterscheiden, die zu Recht keinen Eingang in den Mainstream finden. Ernsthafte Wissenschaft hat eine Methodik, die es ermöglicht und erzwingt, klar zu denken. Die Mathematik hilft dabei ungemein.

Handelsblatt: Aber wenn nur das als Wissenschaft gilt, was sich in Formeln ausdrücken lässt, bleibt da nicht einiges Interessantes und Wichtiges auf der Strecke?
Snower: Die Welt ist unendlich komplex. Wir Menschen waren darin erfolgreich, weil wir gelernt haben, sie in unserer Wahrnehmung und unserem Denken so zu vereinfachen, dass wir damit umgehen können. Unabhängig von der Mathematik bleibt etwas auf der Strecke. Die Mathematik vereinfacht nur die Suche nach inkonsistentem Denken. (...)

Handelsblatt: Sie sind US-Staatsbürger und kennen die Tagungen des amerikanischen Ökonomenverbandes sehr gut. Die American Economic Association tagt zusammen mit anderen sozialwissenschaftlichen Vereinigungen. Da kann jede organisierte Forschungsrichtung eine wissenschaftliche Session beisteuern, zum Beispiel auch die feministischen Ökonomen und die Marxisten. Wäre das auch ein Modell für Deutschland, um die Methodenvielfalt zu stärken?
Snower: Auf den Jahrestagungen der Ökonomen in den USA kann man sehr schön seine Perspektive erweitern, indem man sich Vortragende anhört, die mit anderen Methoden arbeiten und andere Blickwinkel haben. Ich würde das auch für uns befürworten. Der Verein für Socialpolitik muss nicht unbedingt allein tagen."

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Süddeutsche Zeitung (09.09.2015):

Zwei Welten - Deutschlands Ökonomen-Verein nimmt lieber eine Gegenveranstaltung seiner Kritiker in Kauf, als eine echte Debatte zu führen. Der Dialog scheitert.

""Wir fordern einen Markt der Ideen", trägt Christoph Freydorf vor, einer der Organisatoren der Gegenveranstaltung. Es brauche mehr Vielfalt in Theorien und Methoden, um Phänomene wie etwa die inzwischen sieben Jahre zurückliegende Finanzkrise aus verschiedenen Blickwinkeln zu erklären. "Davon sind wir leider noch weit entfernt, vor allem im deutschsprachigen Raum." (...)

Dort die Ökonomen und ihr Traditionsverein, gegründet 1873, mehr als 3800 Mitglieder; hier die Kritiker der vorherrschenden ökonomischen Paradigmen, deren Verein erst seit drei Jahren seinen Namen trägt. (...) Ihr Vorbild ist die amerikanische Dachorganisation ASSA. Auf deren Jahrestagung finden alle denkbaren Theorieschulen Platz, von Sozialisten bis zu Marktradikalen. In diesem Jahr ließ der VfS die Unzufriedenen wieder außen vor, veranstaltete selbst eine Session zu den Grenzen seines Fachs - und nahm in Kauf, dass das Netzwerk zur gleichen Zeit provokant für seine Gegenveranstaltung warb. (...)

Dabei bleibt wenig trennscharf, was noch zur Kritik an Forschung und Lehre in der Ökonomik gehört und was Teil einer politischen Grundsatzdiskussion ist.(...) Im Neonlicht des Seminarraums kommt es am Dienstagabend doch noch zum Austausch: Wie "plural" sollte die Jahrestagung des VfS sein? Müsste der Verein einen Teil seiner Deutungshoheit darüber abgeben, was den wirtschaftswissenschaftlichen Standards genügt?

An den meisten Fakultäten sind etwa Fächer wie Wirtschaftsethik und -geschichte aus den Lehrplänen verschwunden, was nach wie vor vielen missfällt. (...) Selbstkritik reicht den pluralen Ökonomen aber nicht - ihnen geht es um die grundsätzliche Ausrichtung der einflussreichsten Sozialwissenschaft. Ein Dialog auf dieser Ebene wird erst möglich sein, wenn beide Seiten die gleiche Sprache sprechen."

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Der Freitag (09.09.2015):

Wie bei St. Pauli und Bayern München - Deutschlands Ökonomen treffen sich in Münster zu ihrer Jahrestagung. Die Kritiker des Mainstreams der Disziplin sollen diesmal fernbleiben. Tun sie aber nicht

"Während die einen Wein aus Gläsern trinken, gibt es bei den anderen Mineralwasser aus Plastikbechern.(...) Freydorf gehört zum Netzwerk Plurale Ökonomik: 200 Mitglieder, allein finanziert aus Beiträgen und Spenden, dies hier ist die unerbetene "Ergänzungsveranstaltung" des Netzwerks zur VfS-Tagung. "Theorienvielfalt, Methodenvielfalt, Interdisziplinarität, historische Fundierung, kritische Reflexion" steht auf einem Plakat an der Tafel hinter Freydorf. "Davon sind wir in den deutschen Wirtschaftswissenschaften noch weit entfernt", sagt er und eröffnet die Podiumsdiskussion. (...)

Ein Dialog kam in Gang, das Netzwerk durfte bei der VfS-Tagung vergangenes Jahr in Hamburg im Rahmen des Programms eine eigene Veranstaltung organisieren. Die drehte sich dann um das Vollgeld-Konzept, ein Geldschöpfungsverbot für Geschäftsbanken also.

Weil sich VfS-Mitglieder über die Vollgeld-Veranstaltung beschwert hatten, sagte der VfS den Vertretern des Netzwerks ab. Letztere kamen trotzdem nach Münster, organisierten über den AStA Räumlichkeiten, legten Flyer aus zu alternativen Lehrmaterialien und der neu gegründeten Cusanus Hochschule, wo gerade die erste Bewerbungsphase für einen pluralen, kritischen und transdisziplinären Ökonomie-Master läuft; zuletzt klebten sie Plakate der Ergänzungsveranstaltung rund um den Tagungsort des Vereins für Socialpolitik, das Münsteraner Schloss. Dort sollte es indessen zwar durchaus wieder einen pluralistischen Programmpunkt geben – einen unter 500 wissenschaftlichen Vorträgen –, diesmal aber in Eigenregie des VfS. (...)

"Man benutzt die Verhaltensökonomie, um zu verstehen, wie Verbraucher besser geschützt werden können" und auch beim Blick auf die Finanzmärkte, verteidigt sich etwa die VfS-Vorsitzende Monika Schnitzer, als die FAZ die Hälfte des dort zur Jahrestagung obligatorischen Interviews nutzt, um nach der Kritik am Mainstream zu fragen.

Doch wenn schon allein die Erkenntnis, dass Gefühle und Werte eine Rolle in menschlichem Handeln und wirtschaftlichen Geschehen spielen, als letzter Schrei des Fachs daherkommt, dann kann eines kaum erstaunen: Dass viele Nicht-Ökonomen die Wirtschaftswissenschaften als eine Parallelwelt empfinden, irrelevant bis schädlich für das reale Geschehen. (...)

Weder in der einen noch in der anderen Rolle kann Bachmann viel mit den Vorwürfen des Netzwerks für Plurale Ökonomik anfangen; er antwortet darauf wie ein Bayern-München-Fan einem St. Pauli-Anhänger, der über die Chancenlosigkeit kleiner Vereine klagt: Trainiert und verkauft euch gut, dann schafft ihr es auch in die Bundesliga. Zu Asymmetrien bei der Verteilung von Ressourcen, von Geldern und Posten, kann Bachmann nur die Schultern zucken. (...)

Wie wenig Bachmann auch von Neo-Keynesianismus, feministischer Ökonomie und Postwachstum halten mag – das Netzwerk für Plurale Ökonomik in die VfS-Jahrestagung einzubeziehen, damit hätte er – privat – kein Problem; Bachmann kennt das aus den USA: Im Programmheft des dortigen Jahrestreffens der Ökonomen stehen neoklassische Nobelpreisträger ganz selbstverständlich neben marxistischen Theoretikern.

Vielleicht hat er mit dieser Abgeklärtheit inzwischen auch seine VfS-Kollegen und -Kolleginnen angesteckt. Für die nächste Jahrestagung, Anfang September 2016 in Augsburg, hat VfS-Vereinsvorsitzende Schnitzer inzwischen eine Diskussionsveranstaltung über die volkswirtschaftliche Lehre angekündigt – unter Beteiligung des Netzwerks für Plurale Ökonomik."

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Handelsblatt (08.09.2015):

Jahrestag des Vereins für Socialpolitik. Münster – das Mekka der Ökonomen

"Abweichlerische Ökonomen, die sich vom „Mainstream“ ausgegrenzt fühlen, haben eine Parallelveranstaltung organisiert, auf der theoretische Blickwinkel diskutiert werden sollen, die es auf der Haupttagung nicht gebe.

Der Stachel sitzt. Auf einer Pressekonferenz kündigt die Vereinsvorsitzende Monika Schnitzer von der Universität München an, man werde im nächsten Jahr eine Diskussionsveranstaltung dazu abhalten, wie Ökonomie gelehrt werden sollte. Die Abweichler vom „Netzwerk für Plurale Ökonomik“ haben für November dazu gemeinsam mit anderen Ökonomengruppen, die dem Mainstream kritisch gegenüberstehen, eine Tagung zu genau diesem Thema in Berlin organisiert."

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Frankfurter Allgemeine Zeitung (08.09.2015):

„Es geht darum, dass es den Menschen besser geht“

Längeres Interview mit Monika Schnitzer, der Vorsitzenden des Vereins für Socialpolitik. Darin auch kritische Fragen zur mangelnden Pluralität der VWL sowie des VFS. Daraus die klare Ansage, dass die Geschichte der Ökonomik irrelevant sei und eine breite (Aus-)Bildung letztlich privates Hobby der Studierenden bleiben solle:

 

"FAZ: Einige Studenten klagen, dass – zumindest im Bachelorstudium – so etwas wie Wirtschaftsgeschichte, Theoriegeschichte und die ganze Institutionenlehre kaum vorkommen. Man erfährt kaum etwas über die Entwicklung des Fachs  und auch nicht über die großen Ökonomen, von Adam Smith über Ricardo und Marx bis zu Schumpeter und Keynes oder über die früheren Neo- und Ordoliberalen. Ist das ein Defizit?

Schnitzer: Um die Finanzkrise zu verstehen, muss man nicht Marx gelesen haben. Da ist die moderne Mikroökonomie viel wichtiger, man muss die Fehlanreize verstehen, das „moralische Risiko“. Banken, die man nicht genügend beaufsichtigt, tun Dinge, die nicht im Interesse der Kunden sind. Trotzdem sollte man sich mit seinem Fach, seiner Geschichte und den großen Denkern beschäftigen. Das ist sicherlich wünschenswert. Am Anfang meiner Vorlesung empfehle ich immer das Buch „Markt und Moral“ von Silvia Nasar, in dem Leben und Werk der großen Ökonomen allgemeinverständlich diskutiert wird. Ich wundere mich nur, wenn Studenten erwarten, das sollte im Hörsaal mit Powerpoint-Folien erzählt und in der Klausur abgefragt werden. Eigentlich erwarte ich den eigenständigen Griff zum Buch.

FAZ: Die Zeit ist aber beschränkt für die Studenten und der Druck groß. Einige Studenten sagen am Ende des Studiums, dass sie sehr viel gerechnet und viele Modelle gepaukt hätten, aber es kommt ihnen so losgelöst von der Denktradition vor.

Schnitzer: Wenn Sie einen Medizinstudenten ausbilden, dann lehren Sie auch nur die neuesten Methoden, so dass er später einen Bypass legen kann, Sie fangen nicht mit der Medizingeschichte und dem Aderlass an. Das mag zwar spannend sein, ist aber nicht mehr relevant für die moderne Medizin."

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Neue Züricher Zeitung (08.09.2015):

Kritik an der Ökonomie -Die Mathematisierung weckt falsche Erwartungen

"Die Ökonomie ist im Zuge der Finanzkrise zu einem Prügelknaben der Öffentlichkeit geworden. Ganz unschuldig an dieser Entwicklung ist die Disziplin nicht. (...)

Vorgeworfen wird den Hochschulökonomen nicht nur, dass sie von der Heftigkeit der wirtschaftlichen Verwerfungen zumeist ebenso stark überrascht wurden wie die meisten Durchschnittsbürger. Das angebliche Unvermögen, die sich auftürmenden Gefahren zu erkennen, wird auch als Beleg für ein weltfremdes und daher dringend zu reformierendes Curriculum an den Wirtschaftsuniversitäten interpretiert.

Mit solcher Kritik sieht sich auch der Verein für Socialpolitik, die wohl wichtigste Vereinigung von Ökonomen im deutschsprachigen Raum, an ihrer derzeit stattfindenden Jahrestagung in Münster konfrontiert. Zwar ist die ökonomische Ausbildung in den vergangenen Jahren deutlich pluralistischer und interdisziplinärer geworden. Noch immer erscheint Ökonomie aber in vielen Lehrbüchern und Lehrveranstaltungen als angewandte Mathematik. (...)

Man wünscht der Disziplin denn auch wieder etwas mehr Vertrauen ins sprachlich hergeleitete Argument, mehr biologisches statt mechanisches Selbstverständnis und weniger Formalismus und Mathematikgläubigkeit"

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Neue Züricher Zeitung (08.09.2015):

Monotheismus in der Ökonomie

"Der Unmut über die Mainstream-Ökonomie ist gross. Parallel zur grössten deutschen Ökonomen-Tagung findet derzeit eine Gegenveranstaltung statt. Wirklich pluralistisch ist diese aber nicht. (...) Um ihrer Kritik am Zustand der «dismal science», wie die Ökonomie mitunter tituliert wird, gebührend Nachdruck zu verleihen, führt das Netzwerk dieser Tage zeitgleich und ebenfalls in Münster eine Gegenveranstaltung zur traditionsreichen Ökonomen-Tagung des Vereins für Socialpolitik (VfS) durch. (...) Wer dort auf einen bunten Strauss rivalisierender Ideen hoffte, wie dies dem Selbstverständnis des rund 200 Mitglieder zählenden Netzwerks entspricht, sah sich aber enttäuscht. (...) Originell, geschweige denn pluralistisch, wirkten diese holzschnittartigen Analysen nicht. (...) Das ist schade, denn es gäbe durchaus gute Gründe für einen kritischen Blick auf die Wirtschaftswissenschaften. (...) Pluralismus ist denn auch keineswegs ein Monopol der heterodoxen Kritiker. (...) Der selbstsüchtige Homo oeconomicus ist auch bei Mainstream-Ökonomen längst nicht mehr das Mass aller Dinge."

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Süddeutsche Zeitung (04.09.2015)

Wie denken Deutschlands Ökonomen? Antworten gibt es kommende Woche in Münster - und in der SZ.

"Von Sonntag bis Mittwoch finden dort zwei große Ökonomen-Kongresse statt. Der eine hat Tradition, der Verein für Socialpolitik, der zur Jahrestagung lädt, wurde 1873 gegründet; ihm gehören 3800 Ökonomen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an. Der zweite Kongress ist noch jung: Das Netzwerk Plurale Ökonomik, das für mehr Vielfalt in der Volkswirtschaftslehre eintritt, lädt zur "2. Pluralistischen Ergänzungsveranstaltung zur Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik". (...)

Das Netzwerk Plurale Ökonomik beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen von Ökonomie und Gesellschaft oder mit der Geldordnung in der Krise. Manche Themen sind auch identisch: Hüben wie drüben geht es um Ungleichheit, und auch der Verein für Socialpolitik bietet Sessions zur Vielfalt der Ökonomie an. (...)

Wie denken Deutschlands Ökonomen? Damit haben wir uns in den vergangenen Wochen auch im Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung beschäftigt; deshalb erscheint zu den beiden Tagungen ein kostenloser Sonderdruck mit den Ergebnissen der großen Ökonomen-Umfrage, die wir im Sommer veröffentlicht haben; dazu Porträts aus unsere Serie "24 Ökonomen, auf die es ankommt"

Anmkerung: Der erwähnte Sonderdruck der Süddeutschen lag auf der 2. Pluralistischen Ergänzungsveranstaltung aus

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Frankfurter Allgemeine Zeitung (02.09.2015):

Wettstreit der Ideen - Nur wer dem Mainstream nach dem Mund redet, bringt es in den Wirtschaftswissenschaften zu Anerkennung. Das bemängeln Kritiker (...)

"Es ist ein starker Vorwurf: Die Wirtschaftsforscher, die Wettbewerb und Konkurrenz predigen, sollen selbst ein Monopol errichtet haben. (...)

Wer diese Annahmen der „Mainstream“-Ökonomen ablehnt oder alternative Theorien vertritt, habe keine Chance auf Veröffentlichungen in einer der großen Fachzeitschriften, geschweige denn auf einen Professorenposten. Die Folge: eine einseitig verengte Forschung und eine realitätsferne Politikberatung. (...)

Wenn sich die deutschsprachigen Ökonomen vom 6. September an in Münster zu ihrer Jahrestagung treffen, wird dieser bekannte Konflikt neu aufbrechen. Einen Steinwurf von der Konferenz des Vereins für Socialpolitik entfernt wird das „Netzwerk Plurale Ökonomik“, dem zahlreiche Hochschulgruppen angehören, eine Konkurrenzveranstaltung abhalten (...)

Die Beispiele machen deutlich, wie fundamental die Kritik der Heterodoxen ist. Sie hat zwei Ebenen. Inhaltlich betrifft sie Annahmen und Folgerungen der vorherrschenden Ökonomie. Strukturell zielt sie auf den Vorwurf, im wissenschaftlichen Betrieb benachteiligt oder ausgeschlossen zu werden. (...)

Recht haben die Kritiker, wenn sie bemängeln, dass von der Vielfalt der Ideen nicht allzu viel beim Nachwuchs im Hörsaal ankommt. Die Wirtschaftsgeschichte, die Ideengeschichte oder die Wirtschaftsethik sind keine Randbereiche, die Wirtschaftsstudenten erst zufällig am Ende ihres Studiums kennenlernen sollten."

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Wirtschaftswoche: (27.08.2015)

Lisa Großmann vom Netzwerk Plurale Ökonomik: "Wir sind nicht erwünscht"

"Grossmann: Als wir im Vorfeld der Tagung wegen einer möglichen Teilnahme anfragten, erhielten wir die herrschaftliche Antwort, es gebe zwar eine Session zur pluralen Ökonomik, man habe deren Leitung und Organisation aber bereits an Dennis Snower vergeben, den Präsidenten des Instituts für Weltwirtschaft. Das hat die Szene vor den Kopf gestoßen.

WiWo: Wieso? Snower gilt nicht als neoklassischer Dogmatiker.

Grossmann: Klar, er beschäftigt sich auch mit Verhaltensökonomik und bezieht die Psychologie mit ein, aber vom Methodenverständnis her ist er ein Mainstream-Ökonom. Er ist in der pluralen Szene nicht verortet und pflegt dort auch keine Kontakte. Ich habe versucht, mit ihm Kontakt aufzunehmen, bin aber in seinem Vorzimmer gestrandet. Es gab nette Gespräche mit seiner Sekretärin, aber bis heute keine Antwort auf meine Mails. (...)

Warum machen wir es nicht wie in den USA? Dort gibt es einen großen Kongress der Ökonomenvereinigung ASSA, bei dem alle Strömungen ihr eigenes Programm organisieren dürfen. (...) Da tagen dann Postkeynesianer neben Neoklassikern und die Verhaltensökonomen neben feministischen Ökonomen. So bunt kann unser Fach sein."

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Handelsblatt (24.08.2015, S.11):

Belebende Konkurrenz - Zur Tagung des Vereins für Socialpolitik regt sich Kritik am Mainstream.

"Doch für Gesprächsstoff auf den Fluren dürfte eher eine Provokation durch ein "Netzwerk Plurale Ökonomik" sorgen. Denn dieses veranstaltet in Münster eine"Ergänzungsveranstaltung". (...)

Peukert kontert: "Es wird deutlich, dass der VfS seine Deutungshoheit verteidigen will über das, was an Abweichung vom Mainstream gerade noch akzeptabel ist, und welche Ansätze weiterhin als irrelevant oder gar unwissenschaftlich ausgeklammert werden sollen."

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Handelsblatt (24.08.2015, S. 11)

Pluralismus, den ich meine - Über die Verfechter der herrschenden Lehre und die Vorkämpfer einer neuen Vielfalt

"Uns geht es darum aufzuzeigen, dass es genug ernsthafte ökonomische Ansätze jenseits des Mainstreams gibt und dass an den üblichen Universitätsstandorten genug Platz vorhanden wäre, um bei der offiziellen Jahrestagung mehr Pluralität zuzulassen", beschreibt Helge Peukert von der Universität Erfurt die Intention der provokanten Veranstaltung. (...)

Eine einzige Session für vom Mainstream abweichende Ansätze, die parallel zu 23 weiteren Sessions stattfindet, ist dem Netzwerk Plurale Ökonomik als Ausweis von Offenheit zu wenig. Esplädiert für eine offene Tagung nach dem Beispiel derweltweit bedeutendsten Ökonomentagung, der Jahrestagung der Allied Social Sciences Associations (ASSA) in den USA.

(...) alle 55 teilnehmenden Vereinigungen bekämen Gelegenheit, in Eigenregie Sessions zu organisieren. Das Ergebnis sei ein vielfältiges, attraktives Programm."

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Wirtschaftswoche: (14.08.2015)

Zoff im Ökonomen-Lager - Ist die VWL verbohrt?

"Während Netzwerkvertreter 2014 noch eine eigene Sitzung organisieren durften, seien sie 2015 ausgeschlossen worden, so Großmann. Es gibt zwar auch auf der diesjährigen Tagung eine Session zur „pluralen Ökonomik“, die aber wird von Dennis Snower organisiert, dem Präsidenten des Instituts für Weltwirtschaft. Großmann: „Das hat die plurale Szene vor den Kopf gestoßen.“

Die Reaktion: Die Heterodoxen, wie sie in der Ökonomenszene heißen, werden nun 500 Meter vom Tagungsort entfernt im Fürstenberghaus eine Konkurrenzveranstaltung abhalten. Mit im Boot sind mehr als ein Dutzend Institute, Hochschulen und Vereinigungen, darunter die Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht, die Cusanus-Hochschule, die World Economics Association und das bei der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung angesiedelte Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung. (...)

Die Kritiker hoffen derweil auf eine Abstimmung mit den Füßen. Die Teilnehmer der VfS-Tagung seien herzlich eingeladen, bei der Konkurrenz vorbeizuschauen – etwa bei einer Podiumsdiskussion zum Thema: „Wie plural sollte die Jahrestagung deutschsprachiger Ökonomen sein?“ Ein temporärer Überläufer steht schon fest: An der Debatte wird unter anderem Rüdiger Bachmann teilnehmen - der Nachwuchsbeauftragte des VfS."

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Wirtschaftswoche: (14.08.2015, S.33)

Die gespaltene Zukunft - warum der traditionsreichste deutsche Ökonomen-Club so polarisiert

"Kritische Volkswirte werfen dem Verein für Socialpolitik Ausgrenzung vor. Sie treffen sich nun parallel zum Kongress der Etablierten. (...)

Der 1873 gegründete VfS, mit rund 3800 Mitgliedern eine der renommiertesten Ökonomenvereinigungen Europas, muss sich des Vorwurfs erwehren, er grenze wissenschaftskritisches Querdenker aus und vertrete einseitig eine neoklassische Mainstream-Ökonomie. „Ökonomen, dien den Marktmechanismus und das herrschende positivistische Wissenschaftsverständnis hinterfragen, sind auf der Tagung nicht erwünscht“, sagt Lisa Großmann. (...)

Die Teilnehmer der VfS-Tagung seien herzlich eingeladen, bei der Konkurrenz vorbeizuschauen - etwa bei einer Podiumsdiskussion zum Thema: „Wie plural sollte die Jahrestagung deutschsprachiger Ökonomen sein?“"